Diplomarbeit
Erfahrungen von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, die an einem besonderen Bewegungsprogramm verbunden mit Gesprächen teilgenommen haben.
Vorwort
Dem neugierigen Leser, der möglicherweise noch nie eine Diplomarbeit aus dem Bereich der Psychologie von nahem gesehen hat, mag die folgende Lektüre an einigen Stellen etwas unverdaulich erscheinen. Daher möchte ich einige erläuternde Worte vorne weg schicken.
Wir haben lange gezögert, dieses immerhin fast zwei Jahrzehnte alte "Schätzchen" hier zu veröffentlichen. Diese Arbeit war immerhin der Auslöser dafür, dass Anette Paffrath (geb. Kamplade) die Gelegenheit hatte, an dem hobbythek Bauchtanz Buch maßgeblich mitzuarbeiten. Deshalb haben wir diese Arbeit aus der Schublade geholt und hier eingestellt.
Ein anderer Grund ist, dass wir nach der erneuten Lektüre dieser Arbeit erstaunt feststellten, wie viel damals wie heute aktuell ist. Jeden Tag erleben wir in unseren Therapiesitzungen, dass Frauen immer noch mit den gleichen Problemen ringen, wie damals. Besonders beeindruckend sind die Erlebnissprotokolle der Teilnehmerinnen und die sehr aussagekräftigen Bilder, die die Teilnehmerinnen im Rahmen der Sitzungen gemalt haben. Diese Passagen seien dem eiligen Leser besonders empfohlen.
Sehr erhellend sind auch die Gruppengespräche, in denen die Frauen über das Erleben ihrer Menstruation und der Sexualität berichten.
Man muss sich bei eingehender Lektüre vor Augen halten, daß eine Diplomarbeit weniger dazu dient, etwas besonderes zu untersuchen oder mit sprachlicher Eleganz zu brillieren, sondern zu belegen, das man brav gelernt hat, die Methoden des Fachs Psychologie nach allen Regeln der Kunst an zu wenden. Daher sind Diplomarbeiten besonders hölzern und schwierig zu lesen. Es macht auch nicht besonders viel Spaß, sie zu schreiben.
Wenn man nun als fast fertiger Psychologe den Anspruch hat, seine Zeit mit etwas Sinnvollen zu verbringen und ein Thema untersucht, welches interessant und für einen selbst persönlich bedeutsam ist, dann handelt man sich Schwierigkeiten ein. Man hat viel mehr Arbeit, muss mehr Literatur verarbeiten, begegnet der Skepsis seines Professors und des Zweitlesers, kurz, es bringt nur Ärger und oft eine schlechtere Note. Das muss man sich leisten können und man muss auch den Enthusiasmus haben, dies alles ohne Geld, ohne Unterstützung und unter einen heftigen Zeitdruck (6 Monate) fertig zu kriegen.
Zu der damaligen Zeit war Bauchtanz so eine seltene Sache, dass man bequem alle Bauchtänzerinnen Deutschlands in einen Bus hätte packen können. Um dieses Thema überhaupt an der Universität einreichen zu können, musste Anette aus dem Bauchtanz ein "besonderes Bewegungsprogramm" machen. Ihr Professor war ziemlich skeptisch und es war einigermaßen riskant, diese Arbeit überhaupt zu beginnen.
Diplomarbeiten mit Untersuchungen an echten, lebendigen Menschen sind sehr problematisch und werden daher nur selten gemacht. Wegen der begrenzten Mittel kann man nur mit wenigen Menschen arbeiten. Die füllen Fragebögen nicht oder nur halb aus, haben keine Lust mehr, werden krank usw. Dann kann die ganze Arbeit platzen.
Leider ist es Anette nicht gelungen, einen statistisch erwiesenen positiven Effekt des Bauchtanzes auf Menstruationsbeschwerden nachzuweisen. Dies bedeutet aber nicht, das es diesen positiven Effekt nicht gibt. Aus den Protokollen der Sitzungen wird deutlich, dass sich die Einstellung der Frauen zu ihrem Körper und zu ihrer Menstruation durch die Übungen positiv veränderte. Dutzende von Frauen können diesen Effekt bestätigen, es ist nur etwas ganz anderes, dies nach den strengen Maßstäben wissenschaftlicher Forschung zu belegen. Anettes Arbeit gibt einen Eindruck davon, wie aufwändig so etwas ist.
Immerhin ist es ihr gelungen, Prof. Reinhard Tausch, einen bedeutenden Forscher und Psychotherapeuten unser Zeit, zu überzeugen. Er hat sie die Arbeit schreiben lassen. Mancher Lohn im Leben kommt erst Jahre später, aber er kommt.
Ich wünsche ihnen viel Vergnügen mit dieser Lektüre
Stefan Paffrath
P.S. Die Datei wurde von einem alten, vergilbten, Maschine geschriebenen Manuskript per Scanner und OCR-Programm in den Computer gezaubert. Das ist eine ziemlich mühselige Sache. Bitte übersehen Sie gnädigerweise die Tipp- und
Formatierungsfehler, die gewiss noch reichlich zu finden sind.
(Ja wie? Habe ich immer noch nicht alle gefunden? Der HTML-Knecht)
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