Diplomarbeit

Erfahrungen von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, die an einem besonderen Bewegungsprogramm verbunden mit Gesprächen teilgenommen haben.

Inhaltsverzeichnis

1. Gruppensitzung vom 07.01.1984

Frau H.: "Ich habe vorher schon andere Tanzformen für mich ausprobiert, Ballett und Jazztanz. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich nicht paßte, für des Ballett war ich zu groß und zu alt, für den Jazztanz war ich zu unbeweglich. Ich mag gar keinen flachen Bauch haben. Das empfinde ich als unnatürlich. Ich finde es schön, wenn eine Frau Bauch und Hüften hat. Ich bin eher traurig, daß ich so wenig davon entwickelt habe. Meine Figur, die ich heute gezeichnet habe, gefällt mir überhaupt nicht, aber die Bewegungen haben mir gut getan. Ich möchte meine Hüften stärker spüren."

Frau H.: "Offensichtlich muß ich mich wirklich pflegen und schmücken, um nicht den Kontakt zu meinem Körper zu verlieren. Ich kann mich leicht vergessen, und wenn ich dann aufwache, finde ich mich klein und häßlich vor, total unsicher. Als ich mit der Gruppe anfing, war das so."

2. Gruppensitzung vom 14.01.1984

"Mir fiel heute alles schwer. Ich war heute, wie schon oft, eher sportlich, männlich bei der Sache und in der Gruppe. Ich weiß, daß ich mich hinter dieser Fassade verstecke. So wie ich mich wirklich fühle, traue ich mich nicht unter Menschen. Ich will nicht, daß man sieht, wie es wirklich um mich steht. (Anmerkung: Diese Sätze von Frau H. zeigen meiner Meinung nach eine deutliche Selbstauseinandersetzung, die ich auf eine Ermutigung in den Gesprächen zurückführe)

3. Gruppensitzung vom 21.01.84

Frau H. über ihren Zyklus: "Wenn ich euch so reden höre, ich staune, mir geht es so, daß ich meinen Zyklus sehr genau beachten muß, ich vergesse grundsätzlich meine Menstruation. Sie ist verschwunden und plötzlich ist sie wieder da. Wenn ich zum Frauenarzt gehe und er mir die Frage stellt, "Wann war ihre letzte Menstruation?", muß ich sagen, "Weiß ich nicht.". Sie ist verschwunden, weg, bis sie wiederkommt. Ich habe Beschwerden, ich fühle mich körperlich nicht gut. Ich fühle mich sehrschmutzig, ich habe oft das Bedürfnis, mich zu säubern, aber nach einer Stunde fühle ich mich wieder dreckig. Seit ich mich dieser Gruppe angeschlossen habe, nehme ich das erst wahr. Vorher habe ich mir zum Thema Menstruation nie Gedanken gemacht.

Dann wurde mir bewußt, daß ich überhaupt keine Ahnung davon habe, was in mir vorgeht. Daß ich Beschwerden habe, habe ich nie registriert. Einen Eisprung spüre ich auch nicht. Ich fühle, daß ich zur Zeit des Eisprungs etwas Ausfluß habe. So einen direkten Kontakt zu meinem Körper, wie ihr ihn beschreibt, habe ich nicht."

Frau H. über ihre Menstruation: "Bevor meine Menstruation anfängt, brauche ich sehr viel menschliche Wärme, der Haushalt stört mich. Ich sitze morgens am Kaffeetisch und kriege mich nicht in die Gänge.

Ich bin wie ein Kind. Man muß ganz lieb zu mir sein. Ich fühle mich nicht dazu fähig, in die Routine meines Tagesablaufes einzutreten."

Frau H. über die Spirale: "Ich habe seit zwei Jahren die Spirale. Dadurch habe ich starke Krämpfe. Deshalb erschreckt es mich so, daß ich bisher immer behauptet habe, ich hätte keinerlei Probleme. Früher habe ich diese Krämpfe allerdings auch nicht gehabt. Ich freue mich darüber, daß ich inzwischen für meinen Körper aufmerksamer geworden bin. Ich sehne mich auch nach einer anderen Verhütungsmethode. Als ich die Spirale eingesetzt bekam, spürte ich zum ersten Mal meine Gebärmutter."

Frau H. über ihr Bild: "Ich habe die Spirale nicht in mein Bild gezeichnet. Wenn ich mir meine Gebärmutter vorstelle, so stelle ich sie mir als dunkle Höhle vor, wie einen Vulkan, in dem es arbeitet. Es ist ganz dunkel, die Elemente sind beschäftigt. Es ist so dunkel, daß ich Schwierigkeiten habe, es mir genau vorzustellen. Es gibt kein Licht. Das Helle auf meinem Bild ist nur dazu da die Höhle deutlicher hervorzuheben. Ich habe ein Feuer gezeichnet. Wenn ich meine Blutung habe und diese sehr stark ist, habe ich ein Gefühl von Hitze, von Glut. Ob ich es als angenehm oder unangenehm empfinde, weiß ich gar nicht. Es ist einfach so. Das Blut ist so heiß. Ich leide aber nicht unter meiner Menstruation."

Frau H.: "Inzwischen ist es für mich natürlich geworden, daß es mir mal nicht so gut geht, zu bemerken, daß ich sehr liebebedürftig bin. Ich empfinde es als Gewinn, daß ich es als selbstverständlich annehmen kann, daß es Zeiten gibt, in denen ich nicht wie auf Knopfdruck funktioniere."

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