Diplomarbeit
Erfahrungen von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, die an einem besonderen Bewegungsprogramm verbunden mit Gesprächen teilgenommen haben.
1. Gruppensitzung vom 07.01.1984
Frau L. über ihr Bild: "Ich habe mir nicht viel Mühe gegeben. Ich habe mich wenig locker gefühlt, so unbeweglich. Hauptsächlich von den Armen her und im Unterleib.
Ich habe mehr mit dem Kopf und mit den Beinen gemacht, hatte ich so das Gefühl. (Anmerkung: Frau L. hat ihr Gesicht und die Beine orange gezeichnet. Der Oberkörper ist dunkelbraun, des Becken schwarz.) Eigentlich wollte ich mich vom Bauch her bewegen beim Tanzen, aber das habe ich nicht gemacht. Ich bin hierher gekommen wegen meiner Menstruationsbeschwerden und ich wollte sehen, ob es etwas bringen kann, wenn man mal etwas bewußt mit seinem Unterleib macht. Ich wollte lernen, ein Gefühl für meinen Unterleib zu bekommen. Ich habe das Gefühl, daß ich beim Tanzen zu verkrampft war, ich habe zu viel mit dem Kopf gemacht. Ich habe gar keine Gefühle an mich herankommen lassen, sondern eher gesehen, daß ich den Bewegungsablauf richtig mache. Ich weiß gar nicht, wie ich mich jetzt fühle, ich kann nicht sagen, daß ich mich besonders gut fühle. Es tat gut, sich zu bewegen. Meine Beine habe ich orange gemalt, weil ich sie vom Unterleib absetzen wollte. Meinen Unterleib habe ich als sehr steif und unbeweglich empfunden. (Anmerkung: Frau L. spricht sehr leise und zögernd, es entstehen längere Pausen, ihre Stimme klingt monoton und geht vom Kehlkopf aus. Ich erlebe sie, als würde das Sprechen für sie eine große Anstrengung bedeuten. Sie artikuliert sehr undeutlich und ist auf den Tonbändern kaum zu verstehen.)
Ich weiß nicht, ob ich mich wohlfühle oder nicht wohlfühle. Bei der Entspannungsübung habe ich mich entmündigt gefühlt. Ich konnte meine Augen nicht schließen. Obwohl ich glaube, daß es wichtig ist,.wenn man sich entspannen kann. Ich kann das nicht gut. Ich weiß auch nicht so genau, irgendwie das Gefühl, angestarrt zu werden. Zum Schluß habe ich nur noch gewartet, wann ist sie fertig. Ich wollte nicht mehr, obwohl, so zwischendurch war es mal 1) ganz gut." (Anmerkung:Offensichtlich bedeutet es für Frau L. eine Anstrengung, sich fallen zu lassen. Der häufige Gebrauch von "ich weiß nicht", "irgendwie" zeigt meiner Meinung nach, daß sie sehr weit von ihrem eigentlichen Fühlen entfernt ist.)
Frau L.: "Ich habe eher versucht, mir die Bewegungsabläufe einzuprägen und habe sie dann mechanisch gemacht. Ich weiß nicht, noch ist es für mich nicht so schlimm. Irgendwo ist da bei mir auch noch ein Fremdheitsgefühl zu euch.
Dann kann man das noch nicht so. Ich denke mir, das ist wohl noch ganz normal. Irgendwo erhoffe ich mir schon was von diesem Kurs und ich wäre ganz enttäuscht, wenn es nichts bringen würde. Ich möchte gerne einen Weg finden, mit meinen Unterleibs schmerzen fertig zu werden, besser mit ihnen klarzukommen. " (Anmerkung: Ihre Stimme klingt sehr traurig, als habe sie "eigentlich" aufgegeben. Ich höre gleichzeitig eine Ungeduld heraus über die Ansprüche, die sie an sich selbst hat, und ihren momentanen persönlichen Möglichkeiten, diesen Ansprüchen nachzukommen.)
"Ja An der Gruppe teilzunehmen. Ich fand's einen Versuch wert. Ich fand's auch gut, mich mal wieder ein bißchen zu bewegen. Einfach mal etwas machen zu müssen, mehr oder weniger."
Frau L.: "Ich habe Medikamente genommen. Dann habe ich auch mal eine Therapie gemacht. Jetzt nehme ich die Pille und die Schmerzen sind weniger stark. Aber das sind alles so Sachen, die ich nicht auf Dauer machen möchte. Ich habe mittlerweile auch Angst gekriegt. An den ersten drei Tagen meiner Periode habe ich Krämpfe und Erbrechen. Das Erbrechen ist erst seit dem letzten Jahr hinzugekommen." (Anmerkung: Obwohl es für sie anstrengend ist, kann Frau L. diese Ängste in der Gruppe ansprechen.)
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