Diplomarbeit

Erfahrungen von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, die an einem besonderen Bewegungsprogramm verbunden mit Gesprächen teilgenommen haben.

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5. Gruppensitzung vom 04.02.1984

Frau L. über ihr Bild: "Ich habe versucht darzustellen, was die Bewegungen für mich bedeuten. Ich habe immer das Gefühl, daß ich meinen Unterleib ausklammere, ich nehme ihn zwar wahr, weil ich häufig Schmerzen habe, aber ich fühle ihn irgendwie nicht als zu meinem Körper gehörig. Ich merke jetzt, daß es ganz gut ist, daß ich mich einfach mal gezwungenermaßen damit beschäftige, indem ich ganz konzentrierte Bewegungen mache. Das bedeutet der gelbe Kreis in meinem Bauch. Ich habe meinen Körper violett gemalt. Ich hoffe, daß er einmal ganz violett sein wird, daß mein Becken dann zu meinem Körper gehört.

Ja irgendwie schiebe ich es von mir weg, ich werde natürlich durch meine Schmerzen immer wieder darauf gestoßen, aber ich verdränge es. Ich denke auch nie an meine Schmerzen, wenn ich sie gerade mal nicht habe. Ich habe aber das Gefühl, daß ich mich mit diesem Körperbereich mehr auseinandersetzen muß. Ich muß überhaupt mal anfangen."

Frau L.: "Ich will es gerne tun, aber ich packe es nicht. Deshalb habe ich mir da ein Muß gesetzt, weil es mir so schwer fällt. Ich möchte ganz gerne, aber ich bin noch nicht bereit, eo viel dafür zu tun. Deshalb möchte ich gerne das Tanzen nach dieser Gruppe fortsetzen. Zu Hause mache ich gar nichte. Wenn ich zu Hause für mich etwas mache, habe ich schon nach fünf Minuten keine Lust mehr.

Heute hatte ich hier auch keine Lust, weil mein ganzer Bauch weh tat. Es hat mir dann aber mit allen zusammen doch Spaß gemacht. Selbst wenn mir manchmal ein bißchen komisch war oder ich mich dabei mies gefühlt habe, wenn ich dachte, ich bin häßlich oder es sieht beschissen aus, wie ch es mache. Es hat mir nicht so viel ausgemacht. Die anderen Frauen haben mich angespornt.

Frau L.: "Es gelingt mir hier sogar manchmal, mich einfach in die Bewegungen einzufühlen, daß ich nicht daran denke, es muß jetzt schön aussehen, sondern wahrnehme, daß sich die Bewegungen für mich gut anfühlen. Komischerweise gelingt mir das hier manchmal. Zu Hause komme ich gar nicht zu diesem Gefühl."

Frau L.: "Bei anderen Dingen! geht es mir eher so, daß ich sie besser für mich alleine machen kann. Unbeobachtet und für mich. Aber gerade hier geht es nicht. Ich tanze auch häufig so für mich herum. Dabei glaube ich nicht, daß mir die Bewegungen helfen können, weniger Schmerzen zu haben, aber es ist wenigstens der erste Schritt für mich dahin, daß ich mich einfach mal mit mir beschäftige. Ich habe bemerkt, daß ich das letzte Mal eine Blutung hatte, daß ich zwar Schmerzen hatte, aber ich hatte wenigstens einmal eine richtige Blutung. Seit meiner ersten Periode hatte ich immer Schmierblutungen. Ich hatte das erste Mal eine richtige Blutung. Das ist für mich ein Erfolg, daran kann ich merken, daß ich etwas gemacht habe. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte mir immer Blut gewünscht."

Frau L. setzte den Tanzunterricht noch weiter fort.

Anmerkung: Ich erlebte in dieser Sitzung eine große Bereitschaft von Frau L., sich in der Gruppe mitzuteilen. Ich sehe es als positiv, daß sie sich doch noch Raum nehmen konnte. Ich erlebte ihre Formulierungen weniger undeutlich. Sie beginnt, sich vermehrt mit ihren Schwierigkeiten und Ansprüchen, die sie an ihre Person hat, auseinander zusetzen. Durch die Gruppe fühlte sie sich offensichtlich ermutigt, ihre Schwierigkeiten nicht von sich wegzuschieben.

weiter: Erfahrungsprotokoll von Frau H. über die fünf Gruppensitzungen
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