Diplomarbeit
Erfahrungen von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, die an einem besonderen Bewegungsprogramm verbunden mit Gesprächen teilgenommen haben.
I. Sinn und Zweck der Untersuchung
In der medizinischen Praxis konnte die Pille erfolgreich eingesetzt werden, um Dysmenorrhoe und prämenstruelles Syndrom zu vermindern. Der therapeutische Wert wird gesehen:
"1. in einer Hemmung der Ovulation und 2. in einer Nachreifung im Sinne einer Bahnung durch die Pille, wenn dadurch ein Anreiz entsteht zu frühzeitiger Aufnahme sexueller Beziehungen und damit eine Rollenfindung erleichtert wird."
(Uexküll, 1979, S. 709-710)
Ich bin der Meinung, daß die Einnahme der Pille eine Hilfe sein kann. Andererseits bleiben der Frau durch die "künstliche" Hormonsteuerung weite Bereiche ihrer körperlichen Veränderungen verschlossen. Für mich gehört zu einer entspannten Sexualität auch die Wahrnehmung der eigenen Fruchtbarkeit. Die Rolle der selbstverantwortlich handelnden Frau beinhaltet für mich eine Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, einmal schwanger werden. In der Einnahme von Ovulationshemmern sehe ich die Gefahr einer Aufschiebung der Rollenfindung.
Meiner Meinung nach muß erfolgreiches therapeutisches Eingreifen die Frauen ermutigen, ihre Menstruation ernst zu nehmen, sie als einen natürlichen Vorgang ihres Körpers zu akzeptieren.
Vermehrte Aufklärung kann Frauen helfen, die biologische Bedeutung der Menses zu verstehen. Es kann sie ermutigen, ihren Monatszyklus als einen Bestandteil ihres Lebens zu begreifen. Sie können lernen, daß ihr Körper Leistungsschwankungen unterworfen ist und daß es einen Zeitraum gibt, in dem sie verstärkt für sich sorgen müssen. Die rhythmischen Veränderungen ihres Körpers anzunehmen, könnte ihnen helfen, sich zu entspannen.
Wenn eine Frau lernt, ihre Menstruation zu bejahen, wird es den Mitgliedern ihres sozialen Umfeldes leichter fallen, sie nicht mehr in einer AußenseitersteIlung zu sehen, wenn sie menstruiert.
Das Klima einer "personenzentrierten Gesprächsgruppe" kann diesen Lernprozeß unterstützen.
Ich bin der Meinung, daß über das Wissen um die körperlichen Vorgänge hinaus eine aktive Entspannung des Beckenraumes Frauen helfen kann, eine positive Haltung gegenüber diesem Körperbereich aufzubauen.
In dieser Untersuchung soll ein Bewegungsprogramm vorgestellt werden, durch das ich persönlich eine Verminderung meiner individuellen körperlichen Beschwerden bei der Menstruation erlebte. Ich empfand meine Periode weniger schmerzhaft, die Regelblutung war kürzer und intensiver.
Mit dieser Arbeit soll überprüft werden, ob eine größere Anzahl von Frauen diese Erfahrung bestätigt.
Die Bewegungselemente sollen Frauen helfen, sich ihrem Körper aufmerksam zuzuwenden und ihn dadurch besser kennenzulernen.
Die Mehrzahl der Menschen nutzt das Spektrum ihrer körperlichen Beweglichkeit nicht aus. Manche Bewegungen führen wir nicht aus, weil sie gesellschaftlich nicht gebilligt oder in unserer Kultur nicht gelehrt werden.
Ich glaube, daß eine neue Art der Bewegung Menschen ermutigen kann, einschränkende Verhaltensmuster ihres Körpers zu überdenken und sich von diesen zu lösen.
Ich vermute, daß sich eine erhöhte körperliche Beweglichkeit zusätzlich günstig auf ihre seelische Gesundheit auswirkt.
Die Bewegungselemente sollen einer Gruppe von Frauen mit Menstruationsbeschwerden in Form eines Kurses vermittelt werden. Die Gruppensituation soll den Frauen helfen, sich mit ihren Schwierigkeiten weniger allein zu fühlen.
Im folgenden sollen die Kursteilnehmerinnen als Experimentalgruppe, die Frauen, die nicht teilnahmen, als Kontrollgruppe benannt werden.
Die therapeutische Arbeit soll leisten:
- Aufklärung der körperlichen Veränderungen bei der Menstruation und ihr Zusammenwirken mit dem psychischen Wohlbefinden
- Körperliche Entspannung und Beweglichkeit
- Ermutigung zum Ausdruck von Ängsten und Hemmungen
- Befreiung von alten Verhaltensmustern durch die Erfahrung mit neuen Bewegungen
- Hinterfragen von Vorurteilen und Tabus gegenüber der Menstruation
weiter: Erläuterung des Bewegungsprogrammes
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Inhaltsverzeichnis
