Diplomarbeit

Erfahrungen von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, die an einem besonderen Bewegungsprogramm verbunden mit Gesprächen teilgenommen haben.

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3.2 Vierte Sitzung vom 28.01.1984

Re.: "Sexualität macht mir Angst. Ich nehme meine Angst ganz konkret wahr. Dieses Gefühl ist mir unangenehm. Die Angst, mich zu verlieren, im Kontakt mit dem Anderen, meine Grenzen aufzugeben. Ich habe sehr starke sinnliche Gefühle, die ich als so stark empfinde, daß ich meine Grenzen nicht mehr spüre. Wenn ich dann meine Angst spüre, blocke ich diese Gefühle ab. Deswegen muss dann alles ganz schnell sein. Ich darf gar nicht merken, dass sich meine Grenzen auflösen. Bei den Körperübungen habe ich mich heute sehr gut und gelöst gefühlt. Ich merke, daß ich bei den Bewegungen eine ähnliche Angst spüre. Dabei macht es mir gleichzeitig viel Freude wahrzunehmen, daß mein Becken beweglicher wird. Im Alltag traue ich mich ja gar nicht, solche Bewegungen auszuführen, da habe ich viel zu viel Angst ordinär zu sein. In der Gruppe geht das ganz gut. Ich wußte gar nicht, daß mein Körper so beweglich ist.

Meine Begegnungen mit Männern sind auch "durch eine Flucht nach vorne" gekennzeichnet. Ich gehe eigentlich immer auf Männer zu und ich bin auch schon ganz oft abgelehnt worden. Für mich ist es schrecklich, wenn jemand auf mich zugeht. Ich enttäusche Männer häufig, weil ich sehr couragiert auf sie zugehe, in mir ist aber auch die ängstliche Kleine. Die kommt auch heraus und die Männer dachten, daß ich vor allem eine große, starke Frau bin. Ich sehne mich danach, die Kleine sein zu dürfen, zu der man ganz lieb ist. Stattdessen gehe ich als starke Frau darauf zu, in sehr schnellen Schritten auch."

S.: "Ich stelle fest, daß ich überhaupt kein Gefühl gemalt habe, sondern eher Gedanken. Das ist bei mir immer so, daß ich nicht weiß, was ich für ein Gefühl zur Sexualität habe, also früher war das so, daß mir solche Gedanken kamen wie, "heiratest mal einen Mann und bekommst Kinder". Ich weiß nicht, was ich eigentlich will, Sexualität mit einem Mann oder auch mit einer Frau. Ich wehre beides ab und lasse da noch nichts an mich herankommen. Wenn ich starke erotische Gefühle verspüre, ziehe ich mich zurück. Ich habe dabei meine Vernunft im Kopf, Moralvorstellungen.

Ich mag meinen Körper sehr gerne, aber ich kann mit ihm nichts so recht anfangen, ich könnte nie jemanden verführen. Ich bin sehr christlich erzogen, wenn ich mit jemandem schlafe, dann nur in der Ehe. Ich möchte michsexuell frei fühlen, auch Frauen gegenüber."

A.: "Ich finde es sehr mutig von dir, daß du deine Wünsche so offen aussprichst. Ich kann von mir sagen, daß ich das niemandem erzählen würde."

S.: "Körperliche Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht. Ich wünsche mir mehr, daß ich auf meine Gefühle hören kann, daß ich, wenn ich ein gutes Gefühl habe, auch etwas Schönes mit jemandem machen kann. Ich war auch noch nie richtig verliebt."

An.: "Also mit dem Verliebtsein, das ist so eine Sache bei mir. Das hat mir mehr meine Mutter eingeredet, indem sie sagte, "du kannst nur mit dem Mann zusammensein, in den du auch verliebt bist". Sowohl Männer als auch Frauen können auf mich eine rein körperliche Anziehungskraft ausstrahlen. Ich fühle mich noch nicht reif, zu einem Menschen wirklich "ja" zu sagen. Ich komme häufig in Konflikte, daß ich mich selbst verurteile, wenn mich ein Mensch erst einmal nur körperlich anzieht. Ich sage mir dann, "das ist ja nur sinnlich, das hat keinen tieferen Hintergrund, du bist triebhaft und schmutzig". Dabei habe ich schon die Erfahrung gemacht, wie schön es sein kann, sich diesen Gefühlen hinzugeben. Meine moralisierenden Gedanken ärgern mich, ich kann dann auch nicht mehr genießen."

Ae.: "Das mit dem Verliebt sein kenne ich auch. Sexuelle oder erotische Gefühle habe ich fast immer nur mit Männern , die ich zwar kenne, aber mit denen ich nie fester befreundet sein möchte. Gegenüber meinem jetzigen Freund schotte ich mich total ab, ich will einfach nicht. Ich habe sehr viel Angst vor der Nähe, die dann entsteht. Ich weiß noch nicht, wie ich das vereinbaren soll. Ich habe ein schlechtes Gewissen, einfach mit anderen Männern zu schlafen. Ich habe Angst, daß dann die Vertrauensbasis, die zwischen meinem Freund und mir ist und die mir so wichtig ist, zerstört wird. Ich möchte meinen Freund nicht verletzen und wenn ich daran denke, daß er mit einer anderen Frau schläft, spüre ich meine Eifersucht.

Ich habe Angst davor, mich aufzulösen, wenn ich mit meinem Freund auch noch körperlich zusammen bin. Ich denke, "mein Leben ist dann zu Ende, wenn ich mich jetzt schon festlege."

G.: "Ich finde, da baust dir da sehr früh eine Sperre ein. Mit dieser Sperre gehst du auch ein Risiko ein. Du läßt deinen Freund auch alleine. Ich finde, daß ihr euch darüber verständigen solltet. Du hast jetzt am Anfang eurer Beziehung die Möglichkeit, ihm zu sagen, daß du auch für andere Männer körperliche Empfindungen hast. Du gehst immer so selbstverständlich davon aus, "wenn ich jetzt noch mit ihm schlafe und es ist sehr schön, dann sitze ich in einem Käfig". Du kannst ja dafür sorgen, daß es nicht so weit kommt. Das ist doch unheimlich spannend, da kann es pausenlos zwischen euch fließen."

Ae.: "Bisher ist es so, daß ich meinem Freund gegenüber nicht so ganz offen bin. Er hat es auch bemerkt und ist sehr verletzt."

A.: "Ich kenne diese Situation und habe auch zu hören gekriegt, "lüg doch nicht, das spüre ich doch und das tut so weh". Ich kenne das auch von mir, daß ich dachte, "0 Gott, ich habe keine Angst vor dem, was er mir erzählt." Vielleicht bin ich dann erst wütend und verzweifelt, aber dann kann ich auch darüber hinwegkommen."

Ae.: "Ich habe früher sehr oft gelogen. Das brauche ich jetzt eigentlich gar nicht mehr. Aber in diesem Bereich wohl immer noch. Dabei finde ich es so schrecklich zu lügen."

A.: "Ich glaube, daß dein Freund verletzt ist, weil er spürt, daß du ihm etwas verheimlichst. Du hast Angst vor seiner Reaktion und das spürt er."

Ae.: "Ich kenne Situationen, in denen waren wir sehr offen zueinander, diese Situationen waren nicht leicht, aber wir haben uns anschließend gut gefühlt.Nur in diesem Bereich kann ich nicht offen sein. Ich weiß selbst nicht warum."

Vielleicht, weil ich Angst habe, meinen Freund zu verlieren. Manchmal bin ich auch sauer, daß ich das überhaupt ansprechen muß. Ich würde lieber alles für mich behalten und sagen, gut, das war schön. Wenn ich es anspreche, bekommt es so eine Schwere. Aber wenn ich nichts sage, fühle ich mich eben auch nicht gut."

G.: "Ich glaube, man darf da keine Belohnung erwarten, wenn man dem Partner alles erzählt. Man muß für sich selbst entscheiden, was man als richtig empfindet. Ich habe mich meinem Mann gegenüber geöffnet, weil ich es selbst nicht ertragen kann, mit einem Menschen zusammenzuleben, der Geheimnisse vor mir hat. Ich habe vor meinem Mann sozusagen meine Seele ausgebreitet, weil ich hoffte, dann würde es ihm leichter fallen, mir zu erzählen, was ihn beschäftigt. Später hat er mir den Vorwurf gemacht, daß ich ihm zu viel erzählt habe. Ihm wäre es lieber gewesen, nicht alles zu wissen, was ich empfinde."

Re.: "Auf mich macht das so den Eindruck, als wolltest du viel mehr Nähe als dein Mann. Er will gar nicht so viel Nähe, er will Distanz."

G.: "Mein Mann hat oft zu mir gesagt, "mach dich mal selbständig, du hängst so stark an mir". Ich habe zur Zeit einen Freund, mit dem ich sehr offen leben kann. Da sind schon so Sachen, wo dir jeden Tag mal was wehtut, aber wenn beide da sehr offen sind, kann das sehr schön sein. Ich muß mich auch nicht ständig kontrollieren, weil ich gleich eine Rückmeldung bekomme. Das ist für mich eine große Hilfe. Ich bin sehr froh darüber.

Im Augenblick ist es sehr schwierig für mich zu sehen, daß mein Mann mit dieser Situation nicht fertig wird und mir sagt, daß er gehen muß. Es ist so furchtbar und praktisch sind wir wieder am Anfang. Diese Tatsache, daß er mich gequält hat über Jahre durch sein Schweigen, daß ich Vermutungen hatte über Dinge, die dann gar nicht stimmten. Ich habe sehr gelitten. Und dieses Mal hat er gelitten, ich habe ihn zum ersten Mal weinen sehen. Ich habe ihn zum ersten Mal völlig fassungslos gesehen. Mich hat sein Schmerz tief berührt. Ich hätte mir gewünscht, ihn schon früher einmal so erlebt zu haben, zwanzig Jahre früher. Ich dachte für mich, "lieber leide ich, als daß ich zusehe, daß jemand so leidet". Ich empfinde auch, daß ich in den letzten Monaten richtig alt geworden bin, äußerlich mit Falten unter den Augen. Ich bin fassungslos, daß ich jemandem solche Schmerzen zufügen konnte. Da habe ich mir beinahe gesagt, "Mensch, hätte ich nichts gesagt".

Und dann aber wieder nicht, weißt du. Wenn ich es nicht gemacht hätte, was ist das? Ich liebe meinen Mann auch jetzt noch. Wir haben uns durch unheimlich miese Sachen durchgekloppt, wir haben ganz schön schlecht gelebt und ziemlich viel miese Sachen erlebt, und wie gesagt, ich weiß, daß er einen ungeheuren Stolz hat, er sagt, "seine Stärke ist für ihn das Wichtigste", auch wenn sie häufig gespielt ist, es ist ihm egal, er muß sie zeigen, sodaß ich mir sage, "wie ist es schäbig, gerade jemanden, der so an sich glaubt, wie einen kleinen Idioten zu behandeln, den du von morgens bis abends anlügst. Ich weiß selbst, wie kränkend das ist, ich mag nicht angelogen werden. Das kann ich gar nicht aushalten.

Aber es ist unheimlich schwer, wenn das nicht gleich ist, wenn der eine diese Situation ganz anders empfindet. Gut, ich kann mir auch sagen, "das ist schön für mich und ich mache mir da keine Probleme". Aber ich muß meinen Partner doch ernst nehmen, ich bin ja nicht alleine und der reagiert eben ganz anders."

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